Kreuzbund: Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für Suchtkranke und Angehörige. www.kreuzbund-dv-erfurt.de

Aktuelles

Projekt des Kreuzbund-Caritas Tandems Biberach a.d. Riß

 

Die erste Lotsenschulung für die Begleitung für alkoholauffällige Patienten in Kliniken im Landkreis Biberach fand am 12. und 13.11.2011 in Biberach statt. Es wurden 11 Lotsen und 3 Mitarbeiter der dortigen Caritas geschult.
Der Kreuzbund und die Caritas im Landkreis Biberach wollen ein Lotsennetzwerk, nach dem Vorbild von Thüringen, aufbauen . Referenten der Schulung waren Marina Knobloch und Frank Hübner. Die Teilnehmer waren begeistert und sind guter Dinge für den Aufbau ihres Lotsennetzwerkes.

Vielen Dank an die Referenten.

 

Wohlfühltag der Kreuzbundfrauen 2011

Am Samstag, den 09.Juli 2011 veranstalteten die Frauen der Diözese Rottenburg-Stuttgart wieder ihren traditionellen Wohlfültag in Ulm-Söflingen, diesmal unter dem Motto „Fröhliche Frauen“. Insgesamt waren 97 Frauen aus der gesamten Diözese mit von der Partie. Wir begannen den Tag vormittags um 11Uhr mit dem gemeinsamen Lied:
„Hand in Hand we will be stronger, stronger than before“ von Marshall&Alexander.

Alle Frauen fassten sich bei den Händen und sangen begeistert mit.
Die drei „K“ der Frauen, Kinder-Küche-Kirche wurden umgewandelt in Kulinarisch-Kabarettistisch-Kontaktreich.

Weiter ging´s mit einem gemütlichen Brunch vom kalt-warmen Buffet, Salaten und Nachtisch. Richtig schwäbisch, mit Maultaschen und Kartoffelsalat. Alle waren gesättigt und zufrieden.
Das Buffet vom Catering-Service war ausgezeichnet, für Salate und Nachtisch haben wir Frauen selbst gesorgt.

Ab 13°°Uhr wurden wir mit schwäbischem Kabarett verwöhnt. Die „Herztropfen“, eine Bäuerin und ihr Mann von der schwäbischen Alb gaben Sketche zum Besten. Unsere Lachmuskeln wurden sehr strapaziert. Das war Comedy vom Feinsten. Aber wir waren auch so ein tolles Publikum, dass die Herztropfen sich kurzfristig entschlossen auf ihre Gage zu verzichten.

Anschliesend ging`s mit Kaffee und Kuchen weiter. Für das reichhaltige Kuchenbuffet haben die Frauen vom Kreuzbund Ehingen gesorgt. Auch die Unterhaltung untereinander kam dabei nicht zu kurz. Es war ein Auffrischen von alten und ein Anknüpfen von neuen Kontakten.

Bei strahlendem Sonnenschein nutzten viele die Gelegenheit zu einem Spaziergang an der Blau entlang.
Wir beschlossen den Tag um 17°°Uhr mit dem Lied vom Vormittag. Alle Frauen waren sich einig:
„Gemeinsam sind wir stark wie nie, stark wie nie zuvor“.

Cornelia Mast
Stellv. Vorsitzende
DV Rottenburg-Stuttgart

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Neue Wege des Kreuzbund-Diözesan-Verbandes Stuttgart-Rottenburg in der Seniorenarbeit.

Ein Bericht von Rose Essers und Gisela Obert

Vor etwa 4 Jahren wurde die Idee geboren, ein Angebot für Senioren und die älteren Menschen im Kreuzbund, welche sich auf den Ruhestand vorbereiten, ein Gruppenangebot zu machen.
Erfahrungen in der Selbsthilfegruppenarbeit zeigten, dass immer mehr Menschen. die jenseits der Berufsphase angekommen sind, suchtgefährdet sind oder nach jahrelangem abstinenten Lebens wieder mit der Einnahme von Suchtmitteln beginnen. Es werden verschiedene Verluste genannt, z.B. der Verlust von sozialen Rollen nach der Berufsphase und damit verbunden ist der Verlust von Anerkennung und das wachsende Gefühl nicht mehr gebraucht zu werden. Dazu die zunehmende Gebrechlichkeit des eigenen Körpers und der wachsenden Vereinsamung. Dies führt oft zu schweren Identitätskrisen.
Ältere Menschen haben es sehr schwer in den üblichen Hilfsangeboten der Suchtkrankenhilfe unterzukommen.

Deshalb wurde im Diözesan-Kreuzbund ein Projekt gestartet und die „Suchtprävention“ für ältere Menschen installiert.
Ein Antrag für das Projekt wurde bei der Landesarbeitsgemeinschaft der Allgemeinen Ortskrankenkassen in Baden-Württemberg gestellt und schon konnten wir 2009 mit den genehmigten Mitteln 2 Seminare je 1 Woche anbieten – und auch für das Jahr 2011 wurde wieder ein Präventionsseminar genehmigt, welches vom 13. bis 19. Juni 2011 stattfand.
Teilnehmer waren 14 Personen, davon 4 Paare und 6 Einzelpersonen.

Es folgt nun der Erfahrungsbericht von Teilnehmerin Rose Essers:

Wir waren im Liborihaus in Todtmoos untergebracht, einer Einrichtung des Katholischen Ferienwerks Oberhausen, mitten im Hochschwarzwald mit seiner einzigartigen schönen Landschaft.

Geleitet wurde das Seminar von Gisela Obert, einer in der Arbeit mit suchtkranken Menschen und ihren Angehörigen erfahrenen Sozialarbeiterin und Therapeutin. Zu Beginn der Gruppenarbeit formulierte jeder, was er von der Intensiv-Woche (tägl. 6 Stunden Gruppenarbeit) erwartet und welches Ziel jeder persönlich erreichen will.

Gisela Obert arbeitete u.a. mit der Methode des Sozialtherapeutischen Rollenspiels an unseren Biographien.
Eine der Aufgaben war, ein imaginäres Photo unserer Kindheit aus einer Kiste zu entnehmen auf dem der Einzelne alleine oder mit anderen abgelichtet war – und dieses Photo wird uns mit einem Erlebnis verbinden.
Jeder beschrieb das Photo, welches er „gefunden“ hat und das Erlebnis dazu.
Dann der zweite Schritt – wir konnten uns mit den Anderen austauschen, wenn wir über ähnliche Erlebnisse zu berichten hatten – und dann konnten wir entscheiden, ob wir das „gefundene Photo“ behalten oder wieder in die Kiste zurücklegen.
Und dann teilten wir uns gegenseitig unsere Gefühle mit, die bei dieser Übung entstanden sind.
Diese Methode und die von Gisela Obert klar vorgegebene Struktur erleichterte uns den tieferen Einstieg in die eigene Problematik.
In den 6 Tagen arbeiteten wir vormittags und nachmittags intensiv in der Gruppe und hatten auch ausreichend Gelegenheit, eigene Probleme (Wiederholungen in der eigenen Biographie) gründlich anzuschauen. Die Gruppenarbeit machte uns sehr viel Freude, war aber auch teilweise sehr anstrengend. Die Pausen nutzten wir zu Spaziergängen in der schönen Gegend oder zum Sonnenbaden auf der Terrasse.
Am letzten Abend zeigte sich während des Abschiedsfestes die Kreativität im Feiern, Tanzen, Musizieren und Singen der Seminarteilnehmer.
Sonntag, Abschiedstag. Vor dem Frühstück eine Meditation in der Kapelle des Hauses und danach spontan ein meditativer Tanz auf die gehörte Meditationsmusik.
Nach dem Frühstück die letzte Gruppe. Jeder konnte einbringen, wie er sich und die Anderen erlebt hat und welche wichtigen Ziele im Alltag erreicht werden wollen.
Deutlich wurde die hohe Motivation nun im Alltag das Erkannte und Erreichte umsetzen zu wollen.
Das Seniorenseminar wurde von allen sehr gut angenommen. Es wäre eine wunderbare Einrichtung, wenn diese Seminare fester Bestandteil im Angebot des Diözesan-Verbandes Rottenburg-Stuttgart werden würden.

Bericht aus der Sicht der Gruppenleitung Gisela Obert:

Die Gruppe gestaltete sich von Beginn an als sehr lebendig – es war überaus positiv spürbar, mit welch hoher Motivation die TeilnehmerInnen gekommen sind. So hatte jeder ein „Fragenpaket“ für sich selbst mitgebracht um dies in dieser Seminarwoche zu besprechen und wenn möglich zu klären.
In den Gruppengesprächen wurde deutlich, dass bei den, von der Suchtkrankheit betroffenen Menschen, der Schatten der Vergangenheit in ihre Lebensgeschichte zu integrieren, ein Ziel dieser Woche sein wird.
Für alle TeilnehmerInnen wurde es notwendig, nach Möglichkeiten zu suchen, wie die persönliche innere Versöhnung mit der eigenen Biographie in einen Prozess der Reifung umgewandelt werden kann. In einem offenen und konstruktiven Prozess konnten die Einzelnen über positive Entwicklungen der letzten Jahre berichten – sie zeigten sich stolz auf die Einhaltung der Suchtmittelabstinenz, die bis jetzt zur neuen Lebensform wurde. Dazu habe ihnen die Selbsthilfe-Gruppenarbeit geholfen zu einer solchen Stabilität zu kommen – gleichzeitig wurde auch erkannt, dass es immer noch Brüche in der Lebensqualität gibt, wenn die „bekannten Wiederholungen“ trotz aller Bemühungen einträfen.
So wurden auch Ängste angesprochen, wie es sein wird, wenn ihre Leistungsfähigkeit zunehmend weniger wird – so konnte ein Teilnehmer, an einer neurologischen Störung erkrankt, sich immer wieder in das Gespräch einbringen und seine Ängste mitteilen, weniger vor der zunehmenden Hilfsbedürftigkeit, sondern davor, seiner Frau immer mehr zur Last zu werden. Und auch seine Frau konnte sich mit ihrer Zukunftsangst auseinandersetzen.

Ein wichtiges Thema war auch, den „roten Faden“ zu erkennen und die vielen Wiederholungen von ganz bestimmten Situationen genauer anzuschauen, um diese künftig vermeiden zu können. Das was früher als „schicksalhaft“ angesehen wurde, nun in einem anderen Licht anzuschauen und die eigenen Anteile heraus zu filtern um künftig aktiv und selbstkritisch leben zu können um unangenehme Situationen zu vermeiden.
Erfreulich war, dass die geleistete Lebensbilanz der TeilnehmerInnen dazu führte, dass der biographische Reichtum des Lebens entdeckt wurde und die „Trauer auf verlorenes Land“ und die Selbstvorwürfe, ob bei Betroffenen oder Angehören, kaum noch am Ende der Woche spürbar waren – der tiefere Prozess und der künftige Weg in die „innere Versöhnung“ wurde angenommen.
Ich habe mit der Methode des Sozialtherapeutischen Rollenspiels gearbeitet und über die Wahrnehmungszentrierten Spiele konnten die TeilnehmerInnen zu ihren tieferen Schichten in der Biographie kommen.

Wir haben an folgenden Lebensthemen gearbeitet:

- Kindheit und Jugend
- Beruf und Freizeit
- Ehe, Partnerschaft und Familie
- Träume und Realitäten
- Versöhnung mit mir

So hat die Gruppe, und darin jeder Einzelne, die schwierigen und guten Zeiten im Leben nochmals bearbeitet. Die Gruppe reflektierte am Ende des Seminars:
„Es war eine sehr wichtige Woche – ich, wir gehen gestärkt in unseren Alltag.“

Ich möchte mit dem Satz von Sten Nadolny beenden:
„Wer eine Geschichte zu erzählen hat, ist ebenso wenig einsam wie der, der einer Geschichte zuhört. Und solange es noch irgendjemand gibt, der Geschichten hören will, hat es Sinn so zu leben, dass man eine zu erzählen hat“.


Gisela Obert
Dipl. Sozialarbeiterin
Sozialtherapeutin
Supervisorin